Achtern Vörhang

Sieben Vorstellungen und ein Hänger

9 März 2025 · 3 Min. Lesezeit

Heute Nachmittag war die letzte Vorstellung, eine Zusatzvorstellung, weil die anderen sechs schon kurz nach Weihnachten ausverkauft waren. Danach haben wir die Kulissen abgebaut, den Saal gefegt und die Stühle gestapelt, und jetzt sitze ich mit kalten Füßen am Küchentisch und schreibe auf, was ich behalten will.

Gespielt haben wir an sechs Wochenenden, fünfmal samstags um acht und zweimal sonntags um halb vier, in der sogenannten Kaffeevorstellung, bei der Kaffee und Butterkuchen in der Pause im Eintritt inbegriffen sind. Der Saal hat hundertneunzig Plätze. Gekommen sind:

  • zur Premiere am 25. Januar: 190;
  • zu den übrigen fünf regulären Vorstellungen: zusammen 950, also jedes Mal voll;
  • zur Zusatzvorstellung heute: 146.

Das sind 1.286 Zuschauer, in einem Dorf mit gut zweitausend Einwohnern. Viele kommen jedes Jahr, manche zweimal, und in der ersten Reihe sitzen bei der Kaffeevorstellung immer dieselben vier Bauern mit ihren Frauen.

Der Hänger kam in der vierten Vorstellung, am 8. Februar, im zweiten Akt. Hinnerk, der den Bauern spielt, hatte vor meinem Stichwort einen Satz eingeschoben, der nicht im Textbuch steht, weil das Publikum gerade so lachte. Das Stichwort kam also anders, und auf einmal war in meinem Kopf nichts mehr, kein Platt, kein Hochdeutsch, nur der Zaun aus Sperrholz vor mir und hundertneunzig Gesichter dahinter. Aus dem Souffleurkasten vorn an der Bühnenkante kamen drei Wörter, ganz leise, und der Rest kam von allein. Gerda sagt, es habe vier Sekunden gedauert. Mir kam es vor wie eine Minute.

Gemerkt hat es im Saal niemand, oder alle waren höflich genug. Die Spielleiterin zählt in jeder Vorstellung die Lacher im zweiten Akt auf einer Strichliste. Am 8. Februar waren es 41, so viele wie an keinem anderen Abend. Vielleicht lag es an Hinnerks eingeschobenem Satz. Er möchte ihn nächstes Mal ins Textbuch schreiben lassen.